Lebe mutig, Clark…

Sie kennen das bestimmt: manchmal stolpert man beim Lesen über Worte, die einen gewissen Nachhall hinterlassen. Man trägt sie tagelang mit sich herum, dreht und wendet sie, weiß eigentlich gar nicht so genau, warum sie einem nicht aus dem Kopf gehen und doch ist man in Gedanken ständig mit ihnen beschäftigt. So ging es mir mit einem Satz, der in der Trilogie von Jojo Moyes „Ein ganzes halbes Jahr“, „Ein ganz neues Leben“ und „Mein Herz in zwei Welten“ des Öfteren auftaucht.

„Lebe mutig, Clark“ gibt Will Louisa „Lou“ Clark mit auf den Weg und beweist selbst unglaublich viel Mut mit seiner letzten, tragischen Entscheidung. Lou fühlt sich vieles, ohne ihn: orientierungslos, verletzlich, unglücklich und völlig aus der Bahn geworfen… aber mutig? Diese drei Worte, eigentlich gar nicht so spektakulär, haben mich nicht losgelassen und am Ende des 3. Buches standen sie wieder da und blitzten mich herausfordernd an.

Mutig leben – was bedeutet das in einer Welt, die schon im Alltäglichen immer mehr an Tempo und Action zunimmt, in der man einer gleichmäßigen Routine schnell überdrüssig wird und sich in vielerlei Hinsicht zu immer extremeren Aktionen herausgefordert fühlt? Mir kamen Dinge wie Bungee Jumping, House Running, ein Holzfällerkurs mit Kettensägenschein oder Canyoning in den Sinn – aber das ist nicht wirklich die Art Mut, um die es hier geht.

Seitdem beschäftigt mich die Frage, was einen mutigen Menschen ausmacht – jenseits des gängigen Heldenepos – und warum ich gerade an diesen Worten so hängengeblieben bin. Nach und nach komme ich mir auf die Spur…

Mutig sind für mich Menschen, die ganz bei sich sind. Die nicht nur Träume haben, sondern sich auch trauen, diese in die Realität umzusetzen, wenn sich die Chance dazu bietet. Die sich trauen, den gemütlichen Trampelpfad zu verlassen und neue Wege auszuprobieren, auch wenn es deutlich bequemer wäre, die eingeschlagene Richtung beizubehalten und weiterzutrotten. Bequemer vielleicht, aber macht bequem glücklich?

Jetzt denken Sie vielleicht, das ist zu rosarot gedacht. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder einfach nur das machen würde, was ihn glücklich macht? Das Leben besteht schließlich nicht nur aus Seligkeit, sondern auch aus Verpflichtungen und Verantwortung. Das ist richtig – und trotzdem schlummert in uns allen die Sehnsucht nach einem glücklichen und zufriedenen Leben und der Wunsch, genug zu haben. Genug zu haben vom Glück. Da darf es gerne auch ein bisschen mehr sein. Glücklich sein ist jedoch immer auch eine Entscheidung und um diese zu treffen, braucht es wieder – Sie ahnen es – Mut.

Hinter dem Horizont geht’s noch weiter

Lebe mutig kann heißen: Sei neugierig auf das, was das Leben dir bietet. Schau dir Chancen und Möglichkeiten an und wenn sie sich gut anfühlen, dann trau dich und greif zu. Wir haben uns behaglich in unserem Leben eingerichtet und ein Steinchen auf das andere gesetzt; da ist es nicht so leicht, von Zeit zu Zeit zu hinterfragen, ob alles noch passt. Mut bedeutet auch sich zu erlauben, einer leisen Sehnsucht nachzuspüren und zu schauen, wohin das führt oder was sich daraus entwickelt. Entwicklung ist jedoch erst möglich, wenn man den Schritt wagt und die eigene Komfortzone verlässt. Wer sich immer nur auf vertrautem Terrain bewegt, erlebt nur selten Überraschungen.

„Lebe mutig, Clark“ heißt den eigenen Weg zu finden. Dabei muss es nicht unbedingt der sein, den alle mitgehen, die uns bisher begleitet haben. Vielleicht geht man plötzlich ein Stück alleine oder findet neue Weggefährten. Vielleicht läuft man mal eine Zeit lang in den Fußstapfen anderer und muss sich dann wieder einen eigenen Pfad durch die Büsche schlagen. Mut hat auch etwas mit Loslassen zu tun. Mit „geschehen lassen“ und „abwarten“ können.

Mut ist etwas sehr Individuelles, stellt jeden Menschen vor andere Entscheidungen und führt uns in ganz unterschiedliche Richtungen. Es wäre vielleicht ein Anfang, wenn wir uns gelegentlich trauen, ein bisschen zu weit zu gehen und dann mal schauen, wie es da so ist.   🙂

 

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