Wespen, Hummeln – und ich… Allzeit Herrin der Lage!

Derzeit herrscht in unserem Garten mehr Flugverkehr als am Frankfurter Flughafen. Auf dem Lavendel tummeln sich zahlreiche Bienen, im Bereich des Springbrunnens arrangiert sich Lennox leicht missmutig mit Amseln, Meisen, Rotkehlchen sowie einer Libelle und aus vielen Blüten des Hibiskus lugt ein dicker Hummelpo hervor. Ich bin ein absolut bekennender Fan dieser Mini-Hubschrauber. Ihr Anflug ist schon von weitem zu hören, bevor sie mit ausladenden Pollenhöschen ungebremst in eine der Blüten einschlagen.

Die Hummel ist meine Seelenverwandte unter den Insekten. Sie futtert sich mit ebenso großem Appetit durch die Pollen wie ich mich durch eine Portion Spaghetti aglio, olio e peperoncino, legt deutlich mehr Wert auf eine genussvolle Mahlzeit als auf eine Wespentaille und pfeift auf ihren BMI. Die Meinung anderer kümmert sie wenig und so schert sie sich einen feuchten Kehricht darum, dass sie eigentlich nach den Gesetzen der Aerodynamik gar nicht fliegen können dürfte. Könnte sie sprechen, würde sie sicherlich argumentieren, dass es auch Menschen gibt, die aufgrund ihrer geistig eher übersichtlichen Struktur nicht sprechen sollten – und es trotzdem tun!

Die Hummel ist dem Menschen gegenüber meist freundlich gestimmt. Nur wenn sie sehr, sehr, sehr bedrängt wird, sticht auch der flauschige Brummer mal zu. Aber dann handelt es sich eindeutig um Notwehr, denn das Aggressionspotential der Hummel ist keinesfalls vergleichbar mit dem ihrer ungeliebten Kollegin, der Wespe! Abgesehen von dem gleichnamigen Karnevalsverein in Oberrad habe ich zu den schwarzgelb-gestreiften Flugzicken ein eher gespanntes Verhältnis.

Was den Umgang mit Wespen angeht, klassifiziert sich die Menschheit in drei Gruppen… Solche, die als Kandidaten für das Dschungelcamp in Frage kämen, weil sie alle Insekten und Krabbeltiere um sich herum mit stoischer Gelassenheit ertragen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Solche, die sich selbst unter erhöhter Bedrängnis am Kaffeetisch um eine halbwegs normale Atemfrequenz bemühen und man nur an den leicht geblähten Nasenflügeln einen Hauch von Unwohlsein erkennt. Und solche, die den Anflug des Insektes aus den Augenwinkeln schon registrieren, wenn es noch als mikroskopisch kleiner Punkt am Himmel zu erkennen ist und sich wild um sich schlagend über Tische und Stühle hinweg in Sicherheit bringen.

Nur nicht die Nerven verlieren

Bei drei Kindern bin ich mir meiner Vorbildfunktion durchaus bewusst, aber trotz aller Bemühungen, in kritischen Situationen die Nerven zu behalten, bin ich das Musterexemplar eines Wespen-Phobikers geblieben. Da das leider auf die jüngeren Familienmitglieder und sogar auf den Hund abgefärbt hat, habe ich es mit mentaler Zwiesprache versucht und die freundliche Hummel als gutes Beispiel angeführt. Wenn eine Hummel beispielsweise durch die offene Terrassentür geflogen kommt und realisiert, dass es im Haus weder Blumen noch Nektar gibt, dreht sie um und fliegt wieder raus. Liebe Wespen, so geht das!!

Diesem freundlichen Hinweis folgte großflächige Ignoranz. Beim letzten Grillabend lud sich ungefragt ein halber Schwarm zum Essen ein. Wenn es stimmt, dass Wespen am Tag mehrere hundert Gramm Insekten fressen, dann frage ich mich, warum sich ausgerechnet die in unserem Garten über ein Schnitzel mit Beilagen her machen und noch meutern, wenn die Tzatziki alle ist. Generell würde ich es begrüßen, wenn die Gentechnik mal etwas Nützliches auf den Weg bringen würde: Wespen ohne Stachel, die sich ausschließlich von Zecken und Stechmücken ernähren!

Um meinem Umfeld zu demonstrieren, dass ich allzeit Herrin der Lage bin, habe ich mir zwei elektrische Fliegenklatschen gekauft. Diese haben eine gewisse Ähnlichkeit mit batteriebetriebenen Tennisschlägern… Wer mich allerdings jemals hat Tennis spielen sehen, der weiß, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ich das treffe, was ich treffen möchte, eher gering ist. Entsprechend schadenfroh klatschen sich die radikalen Fluggenossen in der Luft ab, wenn ich die Schläger schwinge und sich meine Familie reflexartig flach auf dem Boden wirft.

Panik vor dem Babyboom

Auch das Wespennest, das in unserem Vordach quasi über Nacht entstanden ist, trägt nicht wirklich zur Entspannung bei. Dass Wespen auf Angstschweiß mit erhöhter Aggression reagieren, macht sie mir keineswegs sympathischer, ebenso wenig wie das nagende Geräusch über unseren Köpfen. Immerhin wurden wir von einem Fachmann aufgeklärt, dass das nicht zwingend auf den Abbau unseres Hauses hinweise, sondern dass so die hungrigen Larven in den Brutzellen um Nahrung betteln. Der Geräuschpegel lässt darauf schließen, dass dank Corona nicht nur bei Meiers gegenüber, sondern auch in unserem Vordach ein Babyboom zu erwarten ist.

Um dieser Invasion Herr zu werden, überlege ich ernsthaft, die Wirkung eines „Waspinators“ zu testen. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen Insektenroboter, der mit einem aluverstärkten Chitinpanzer mutig zum Angriff bläst, sondern um die Attrappe eines Wespennestes, die glaubhaft vermitteln soll, dass alle freien Wohnungen in unmittelbarer Umgebung bereits „vermietet“ sind. So ganz überzeugt bin ich von dieser Lösung allerdings noch nicht. Wir wissen ja, wozu Lebewesen fähig sind, wenn Wohnraum knapp wird. Sollte sich das Wespenvolk samt Nachwuchs formieren, um Haus und Hof zu verteidigen, haben wir die entomologische Schlacht von Mordor direkt vor unserer Haustür. Sofern wir die nächsten Wochen dank meines unermüdlichen Einsatzes unbeschadet überstehen, werde ich natürlich berichten… 🙂

 

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