Wer Ordnung hält, ist nicht immer nur zu faul zum Suchen

 

Generell bin ich ein ordnungsliebender Mensch; nicht unbedingt, weil ich gerne aufräume, sondern weil ich Nerven spare, wenn ich die Dinge, die ich brauche, sofort dort finde, wo ich sie vermute. Meine Aufbewahrungsorte sind nicht immer logisch, aber sie haben ein System: nämlich meins! Idealerweise findet man einen Partner, der dieses System teilt – oder es zumindest nicht in Frage stellt.

Das funktioniert bei meinem Mann und mir wunderbar und die Kleinigkeiten, die vielleicht etwas befremdlich erscheinen, blendet man aus. Warum soll man auch streiten, weil der Honig in dem Schrank zwischen den Teebeuteln und dem Kaffeebohnen steht und nicht bei den übrigen Brotaufstrichen? Grob gesehen befindet er sich in der Küche und das ist ja schon mal im Ansatz richtig.

Umgekehrt reagiert mein Mann ähnlich entspannt, wenn ich an für mich strategisch wichtigen Plätzen Stapel noch ungelesener Bücher verteile. Zu verstehen, warum einer der Stühle an unserem Esstisch oder die Ablage neben unserem Kühlschrank für mich strategisch wichtig sind, hat er aufgegeben.

Mit drei Kindern wird allerdings unser eingespieltes System perfide unterwandert. Manche Dinge verschwinden nicht nur von ihrem angestammten Platz, sondern tauchen auch völlig unerwartet an den merkwürdigsten Orten wieder auf. Zeitweise hat das gewisse Ähnlichkeit mit der WG von Schneewittchen und den sieben Zwergen. Ich frage zwar nicht, wer von meinem Tellerchen gegessen oder mit meinem Messerchen geschnitten hat, dafür aber wer meinen Augenbrauenstift geklaut, sich meine roten Pumps ausgeliehen oder meinen geheimen Schokoladenvorrat geplündert hat. Spontan würde ich vermuten, dass mein Sohn meinen Augenbrauenstift nur sehr selten benutzt und in roten Lackpumps habe ich ihn noch nie gesehen. Natürlich gesteht keiner freiwillig und neuerdings wird alles dem Hund in die Schuhe geschoben.

Als ich gestern im 1. Stock auf einem spiegelglatten Laminatfußboden ausgerutscht bin, der ganz eindeutig nach meinem verschwundenen Haarspray roch (das konnte ich ohne große Anstrengung erkennen, weil ich mit der Nase auf dem Boden lag), war die Schuldfrage nicht so leicht zu klären, denn auch mein Sohn ist mit 14 Jahren plötzlich sehr stylish unterwegs.

Mit schmerzenden Knochen stand ich auf und brüllte gegen drei geschlossene Kinderzimmertüren: „Und dass mir bloß keiner sagt, das wäre auch wieder der Hund gewesen!“

 

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