Facebook: Männlich, verwitwet, wohlhabend sucht …

Laut einer Statistik wird Facebook täglich von 1,3 Mrd. Menschen genutzt und abgesehen von dem meist fröhlichen Miteinander in dieser großen, virtuellen Kommune, in der man regen Anteil an den täglichen Mahlzeiten und den Schlafgewohnheiten seiner Online-Freunde nimmt oder betroffen den plötzlich geänderten Beziehungsstatus registriert, begegnet einem aber auch schon mal das ein oder andere Phänomen.

Eine Entwicklung, die ich seit einiger Zeit beobachte, betrifft die Vereinigten Staaten von Amerika. Dort gibt offensichtlich einen unglaublichen Überschuss an attraktiven, wohlhabenden und meist verwitweten oder geschiedenen Single-Männern mittleren Alters, den ich wirklich als besorgniserregend empfinde. Was ist da los? Wieso sterben diesen Traumtypen reihenweise die Frauen weg? Warum wird Peter aus Connecticut, plastischer Chirurg mit einem Traumhaus, zwei niedlichen Mädchen und ambitionierter Golfspieler, von seiner Frau verlassen? Dean aus Detroit sieht aus wie der ältere Bruder von Ian Sommerhalder und ist mit Anfang 40 schon Witwer, genauso wie Tim aus Minnesota und Brian aus Texas. Ähnlich betroffen macht mich das Schicksal unzähliger Offiziere eines Marine Corps aus Arizona, von denen mindestens die Hälfte durch unfreiwillige Schicksalsschläge ein Dasein als alleinerziehende Väter fristet und auf der Suche nach der großen Liebe ist – besonders dramatisch ist dies vor dem Hintergrund des Mottos der Marines: „Semper fidelis“ („Immer treu“).

Bei Parship verliebt sich ein Single nur alle 11 Minuten

Bei der Masse an amerikanischen Männern, die sich auf der Suche nach der Frau fürs Leben bei Facebook tummelt, könnte Parship glatt einpacken. Da braucht ein Single elf Minuten, um sich zu verlieben, während die Facebook-Kandidaten offenbar schon beim ersten Blick auf das Profilbild erkennen, dass die abgebildete Frau – in dem Fall ich – die Richtige für sie ist. Ich breche nur sehr ungern reihenweise Männerherzen (hehe), schließlich bin ich seit über 20 Jahren glücklich verheiratet; allerdings gebe ich zu, dass ich mich durch diese vielen Freundschaftsanfragen schon ein bisschen geschmeichelt fühle. Welche Frau hört schließlich nicht gerne Komplimente über ihre Augen, ihre Haare, ihre umwerfende Ausstrahlung oder ihren mitfühlenden und sensiblen Charakter – Wahnsinn, was die so alles anhand eines Profilbildes erkennen können!

Abgesehen davon bin ich von Haus aus ein mitfühlender Mensch und all diese schicksalsgebeutelten Amerikaner haben es nun wirklich nicht leicht – gerade die Marines, deren Job ja alles andere als beziehungs- und familienfreundlich ist. Dramatisch finde ich ebenfalls, dass diese Traummänner anscheinend auch sozial völlig isoliert sind. Betrachtet man sich deren Profil, stellt man fest, dass sie keinen einzigen Freund auf dieser Welt haben. Niemanden! Die Freundesliste ist quasi nicht existent! Das macht mich unglaublich traurig und ich habe ernsthaft überlegt, mit den Jungs eine virtuelle Gruppe zu gründen, damit sie sich wenigstens untereinander kennenlernen und austauschen können – aber so richtig zufrieden bin ich mit dieser Idee nicht.

Da erweist es sich geradezu als Glücksfall, dass in Russland eine ähnliche Entwicklung zu beobachten ist, nur sind da merkwürdigerweise primär die Frauen betroffen. Als mein Mann von Svetlana, Natascha und Irina angeschrieben wurde, war ich zunächst etwas verstimmt, denn in Sachen Lebenshilfe bin ich deutlich erfahrener als er. Die Last jedoch, die die schöne Elena auf ihren zarten, unbedeckten Schultern zu tragen hat, beschäftigt mich sehr. Nach einem wirklich trostlosen Leben in einem dieser Wohnblock-Ghettos in Moskau lebte Elena in einer sehr schönen und erfüllten Beziehung mit einem älteren Mann, der sie förmlich auf Händen trug. Nachdem dieser leider viel zu früh verstarb und sich der Kummer tief in ihrem Gesicht eingegraben hatte, blieb ihr keine andere Wahl als sich die Oberweite derart aufpumpen zu lassen, dass diese erfolgreich von den botox-resistenten Sorgenfalten in ihrem Gesicht ablenken konnte.

Magie zwischen Ost und West

Tagelang habe ich mir den Kopf zerbrochen, wie man da helfen kann – und plötzlich hatte ich eine Idee. Ich habe Elena aus Moskau die Freundschaft zu Peter aus Connecticut vorgeschlagen, denn ich bin sicher hier finden sich zwei verwandte Seelen – und falls sich die Sorgenfalten aus Elenas Gesicht noch nicht haben restlos entfernen lassen, hat Peter dank seiner erfolgreichen Laufbahn in der plastischen Chirurgie bestimmt noch den ein oder anderen Trick parat.

Während ich sehr zufrieden mit dieser Lösung in mich hineinlächle, erhalte ich unvermittelt eine Freundschaftsanfrage von Omar aus Dubai. Auch Omar hat keine Freunde, abgesehen von der Kameldame, die freundlich hinter ihm in die Kamera grinst. Dass all diese Menschen, ähm… gut, meistens sind es Männer, MICH aus den 1,3 Mrd. täglichen Nutzern herausgepickt haben, grenzt doch eigentlich schon fast an ein Wunder. Selbst mein Mann müsste an dieser Stelle zugeben, dass ich ein verdammter Glückspilz bin!  😉

 

 

 

 

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