Einen Namen braucht das Kind!

Dem eigenen Kind einen Namen zu geben, ist oft gar nicht so einfach und mittlerweile ist daraus ein regelrechter Kult geworden. Vorbei sind die Zeiten, in denen die Söhne meistens den Namen des Vaters, des Großvaters oder eines reichen Onkels übernommen haben oder die Mädchen nach der Mutter, der Tante oder der Landesfürstin benannt wurden. Otto, Karl, Gustav oder Wilhelm waren gute und klassische Namen – genauso wie Elisabeth, Katharina, Margarethe oder Wilhelmine. Gab es doch mal Unklarheiten in der eigenen Sippe, wurde eben aus Gustav einfach „Gustav II. oder „Gustav jun.“ und schon war klar, wer gemeint ist. Der Vorteil dieser sehr traditionellen Namen ist auch heute noch, dass diese sich entweder gar nicht oder nur in einem halbwegs vertretbaren Rahmen abkürzen lassen. Wenn aus Wilhelm „der Willi“ oder aus Katharina „die Kati“ wird, gibt das nur selten Anlass für Heiterkeitsausbrüche – im Gegensatz zu dem gerade wieder in Mode kommenden Vornamen „Ludmilla“, den man häufig und gerne mit „Luda“ abkürzt. Wenn hier nicht penibel auf die Aussprache geachtet wird … Sie verstehen schon! Auch der Doppelname „Marie-Johanna“ kann – undeutlich oder schnell ausgesprochen – sehr leicht wie „Marihuana“ klingen und für entsprechende Irritationen sorgen.

Nomen est omen

Der potentielle Vorname für den eigenen Nachwuchs wird heutzutage einem sorgfältigen Qualitätscheck unterzogen, da er gleich mehrere Kriterien erfüllen muss. Er soll ganz klar die Einzigartigkeit oder die schon im frühsten Kindesalter erkennbaren, außergewöhnlichen Talente des Kindes bestmöglich unterstreichen sowie die persönliche Entwicklung des kleinen Wurms in die von den Eltern gewünschten Bahnen lenken. Statistiken zufolge war dieser Plan jedoch bei allen Kindern mit dem klangvollen Vornamen „Amadeus“ nur mäßig erfolgreich.

Bei Jungennamen stehen natürlich auch Coolness und Lässigkeit im Vordergrund, die möglichst bis ins hohe Alter beibehalten werden sollen und der Hype, der vor ein paar Jahrzehnten mit dem Vornamen „Kevin“ begann, ist legendär. Cool, clever und smart ist der Name sicherlich, die Einzigartigkeit jedoch blieb ganz klar auf der Strecke. Nach dem Erscheinen des Kultfilms „Kevin – Allein zu Haus“ hätte man ganze Schulklassen mit Kevins füllen können und nur die wenigstens haben ein Wochenende allein zu Haus unbeschadet überstanden.

Bei der Auswahl eines Mädchennamens wird natürlich Wert auf einen gewissen Niedlichkeitsfaktor gelegt, der jedoch im Laufe des Erwachsenwerdens problematisch werden kann. So ist eine Gigi, Lulu oder Poppy vielleicht noch bis zum Ende der Grundschulzeit goldig, aber spätestens wenn sich das Töchterchen in einem Bewerbungsgespräch mit „Poppy Schmidt“ oder „Finchen Müller“ vorstellen muss, kann die Karriere zu Ende sein, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.

Natürlich kann die Hoffnung vieler Eltern aufgehen und der ausgewählte Vorname dem Kind eine gewisse Richtung weisen, aber das ist nur schwer kalkulierbar. So würden vielleicht sogar die kleinen Jacquelines, Chantalles oder Amélies spontan den gewünschten, frankophilen Weg einschlagen, wenn nicht die Kombination mit Familiennamen wie Meier, Müller oder Schmidt das berühmte „Je ne sais quoi“ schon im Keim ersticken würde. Auch der temperamentvolle Namen „Carmen“ entlockt dem Umfeld bei einem blonden, leicht übergewichtigen und sommersprossigen Kind nur ein mitleidiges Lächeln. Einem kleinen, schmächtigen Jungen, der sich später in einen schlaksigen Teenager verwandelt und auf den klangvollen Namen „Herkules“ hört, bleibt allenfalls sein bester Freund „Hades“, der ihm mitfühlend auf die Schulter klopft und sein Schicksal teilt.

Ganz schlimm wird es allerdings für die Kinder, deren Eltern einen überdurchschnittlich großen Hang zur Heldenverehrung haben. Da kommen kleine Wunderkinder mit den Namen Harry, Hermine, Severus oder Albus noch gut weg – auch wenn der erste Schnuller vermutlich die Form eines Zauberstabs hat. Manchmal trifft man jedoch Eltern, die mit glänzenden Augen ihrem kleinen Aragorn den Rotz von der Nase wischen und ihn sanft tadeln, weil er den niedlichen Legolas samt seiner Freundin Arwen von der Rutsche geschubst hat. Auf der anderen Seite des Sandkastens hat die kleine „Renesmee“ ihre vampirischen Fähigkeiten noch nicht voll entwickelt und wird von „Sheriff“ und „Anakin“ in die Mangel genommen.

Wenn aus Kindern süße Früchtchen werden…

Große Augen bekommt man mitunter auch, wenn Eltern sich als wahre Feinschmecker outen und ihre Kinder liebevoll – wenn auch nur als Kosename – mit dem Namen ihrer Lieblingsspeise ansprechen. Ich meine, was soll aus einem Kind werden, das in den prägendsten Jahren seines Lebens „Pumpkin“, „Rübchen“ oder „Peaches“ gerufen wird? Auch „Milka“ und „Fanta“ schmecken zwar süß, sind es aber als Rufnamen für den gebeutelten Nachwuchs definitiv nicht!

In ganz skurrilen Fällen schiebt das Standesamt zum Glück einen Riegel vor, da absonderliche Namen wie „Pumuckl“, „Hulk“ und „Satan“ das Kindeswohl sehr wohl beeinträchtigen und vom Wesen auch nicht den Charakter eines Vornamens besitzen. Aber auch wenn bei sehr exotischen Jungen- und Mädchennamen festgelegt ist, dass ein Zweitname angehängt werden muss, aus dem deutlich das Geschlecht des Kindes hervorgeht, bergen Kombinationen wie „Cinderella-Carina“, „Imperial-Purity“ oder „Simba-Gaston“ ganz klar das Risiko einer späteren Identitätskrise.

Ich gehe jetzt mal Nachschub an Schulheften kaufen – für Isabel Sophie, Patrick Michael und Julia Alexandra. Die Preisgabe der familieninternen Spitznamen wurde mir übrigens eindeutig und unter Androhung der Veröffentlichung des für mich ursprünglich geplanten Vornamens seitens meiner Eltern ausdrücklich untersagt! J

 

 

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